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„August Theis kennt bei uns jedes Kind“

„August Theis kennt bei uns jedes Kind“
Indonesische Christen besuchten die Heimat des Missionars
(www.ev-dill.de)

Region (us). Eine Besuchergruppe aus der Simalungun-Kirche
(GKPS) in Nordsumatra/Indonesien ist zurzeit zu Gast im Evangelischen
Dekanat Bad Marienberg. Die Gäste absolvieren ein umfangreiches
Programm mit vielen Ausflügen und Begegnungen. Letzte
Woche hat die Gruppe auch die Dekanate Dillenburg und Herborn
besucht.
Am Dienstag besichtigten die Indonesier die alte
Langenaubacher Kapelle. Dort erinnerte der Dekan
des Dekanats Bad Marienberg, Pfarrer Martin Fries,
an Menschen aus Haiger und Langenaubach, die
seit Mitte 1800 im Auftrag der Rheinischen Mission
als Missionare nach Afrika und Asien gegangen
waren. Einer von ihnen war der Haigerer August
Theis. Im Auftrag der Rheinischen Missionsgesellschaft
eröffnete Theis 1903 zusammen mit indonesischen
Mitarbeitern eine Missionsstation im Simalungun-
Gebiet. Aus diesen Anfängen entstand die
GKPS, die heute über 200.000 Mitglieder zählt. Bei
den Simalungun-Christen wird August Theis als
„Kirchenvater“ verehrt. „Jedes Kind kennt bei uns
den Namen August Theis“, so einer der indonesischen
Besucher.
Am Freitagvormittag waren die indonesischen Christen
zu Gast in Dillenburg. Dort trafen sie Mitarbeiter des Dekanats
und der Evangelischen Kirchengemeinde.
Am Nachmittag besuchten sie dann noch das Theologische Seminar
und das Büro der Propstei Nord- Nassau in Herborn.
Abend der Begegnung am 3. September in Westerburg
Bis heute feiert die GKPS jährlich den Tag, als August Theis zu ihnen
kam, mit einem großen Fest, dem „Olob-Olob”. Aus diesem Anlass wird
es am Donnerstag, 3. September, um 18.30 Uhr im Pfr. Ninck-Haus in
Westerburg einen Abend der Begegnung mit den Gästen aus Indonesien
geben, der unter dem Motto „Die Freude des Evangeliums miteinander
teilen“ steht. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Weitere Informationen:
Zum 40. Todestag von August Theis (1874-1968)

Am 14. März 2008, ist der 40. Todestag des gebürtigen Haigerers August Theis. Hier bei uns erinnert sich heute kaum noch jemand an ihn. Ganz anders am Tobasee auf der Insel Sumatra: dort wird er verehrt als der Gründer der Simalungun-Kirche, der heutigen Gereja Kristen Protestan Simalungun (GKPS). Wer war dieser Mann, der im fernen Indonesien so bekannt ist?

Seine Kindheit und Jugend
Am 16. Februar des Jahres 1874 wird August Theis als der älteste Sohn des Bahnwärters Philipp Theis und seiner Frau Wilhelmine (geb. Schnell) in Haiger-Langenaubach geboren. Von seinem sechsten bis vierzehnten Lebensjahr besucht er die Grundschule in Haiger. Am 20.05.1888 wird er in der Evangelischen Stadtkirche in Haiger konfirmiert.

Nach seiner Konfirmation erlernt August Theis in der Minerva-Hütte in Haiger den Beruf des Sandformers. In dieser Zeit findet er zum Glauben. Damals erfasste die Erweckungsbewe­gung im Siegerland auch das nahe Haiger.

Durch Missionsschüler aus Wuppertal-Barmen, die seine Gemeinde besuchen, erfährt August Theis von der Rheinischen Missionsgesellschaft. Beeindruckt, wenn auch etwas zögernd, fasst der junge Mann den Entschluss, selbst Missionar zu werden.

Nach der Ausbildung am Missionsseminar in Barmen stellt sich die Frage, wo August Theis eingesetzt werden soll. In sein Tagebuch schreibt er: „Wohin fernerhin der Pfad mir vorgezeichnet ist, weiß ich nicht, hoffe aber und bitte zu Gott, dass Er wie bisher auch mich fernerhin leiten möge und dass ich unter seiner Leitung gesetzt sein möge, für viele ein Segen zu sein.”

august_theis1< Bild: August Theis als junger Mann (Foto: Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal, mit freundlicher Genehmigung)





August Theis als Pioniermissionar
bei den Simalungun-Batak
Im folgenden Jahr klärt sich für August Theis die Frage nach dem Einsatzort. Im Februar 1903 bittet Ludwig Ingwer Nommensen, der erste Missionar bei den Batak, die Missions­leitung um Erweiterung der Missionsarbeit in das Gebiet der Simalungun-Batak nordöstlich vom Tobasee. Am 16. März 1903 kommt ein Telegramm aus Barmen. Darauf steht Tole! - „vorwärts”. Damit fällt der Startschuss zur Mission unter den Simalungun-Batak. Der Mann, den man für diese Aufgabe vorsieht, ist August Theis aus Haiger.

Die Station, die Nommensen mit den Batak-Stammesfürsten ausgehandelt hat, heißt Pematang-Raya. In Tigaras am Nordostufer des Tobasees geht August Theis mit seinen Begleitern - einigen einheimischen Lehrern und Evangelisten - an Land. Auf schmalen Trampelpfaden kommen sie am 2. September 1903 nach Pematang-Raya. Dieser Tag wird als Gründungstag der Simalungunkirche dort noch heute gefeiert.

August Theis und seine Mitarbeiter betrieben schon damals das, was man heute als „ganzheitliche Mission” bezeichnet: Verkündigung, Schulbildung und Gesundheitsvorsorge bildeten eine untrennbare Einheit. Im Januar 1904 wird in Pematang-Raya eine Schule eröffnet, der weitere folgen.

Schwere Jahre für August Theis
Am 11. Juli 1904 heiratet August Theis Henriette Bannier, die gerade aus Deutschland gekommen ist. Kurz nacheinander werden ihnen vier Kinder geschenkt: Ernst, Paul, Johanna und Maria. Neun Tage nach der Geburt der jüngsten Tochter stirbt Henriette, am 12. Juni 1909, im Alter von 32 Jahren. August Theis steht nun mit seinen vier kleinen Kindern allein da.

Ein Trost für ihn ist, dass bald darauf die ersten Taufen stattfinden: am 19. September 1909 wird ein einzelnes Mädchen getauft, wenig später im Dezember eine weitere Gruppe von 24 Christen. Im Jahr 1910 hat die Gemeinde von Pematang Raya bereits elf Filialen und im Simalungungebiet gibt es zwölf Schulen mit über 400 Schülern.

Am 30. Oktober 1911 heiratet August Theis zum zweiten Mal, diesmal die Krankenschwester Maria Langemann aus Hildesheim. Sie wird den vier Kindern eine gute Mutter und bringt 1914 eine weitere Tochter — Emma — zur Welt. Maria stirbt 1966 zwei Jahre vor August Theis, 55 Jahre durften sie ihre Wege gemeinsam gehen.

Siebzehn Jahre nach seiner Ankunft in Sumatra kehrt August Theis im Jahr 1920 mit seiner Familie zum Heimaturlaub nach Deutschland zurück. 1925 wird er dann noch einmal nach Sumatra ausgesandt und wirkt einige Jahre in der Gemeinde Doloksanggul und in der Stadt Medan. 1932 kehrt er zurück nach Deutschland und ist bis zu seiner Pensionierung im Heimatdienst der Mission tätig.

Das Erbe von August Theis
Am 14. März 1968 stirbt August Theis. Er hat es noch erleben dürfen, dass die Zahl der Simalungun- Christen bis dahin auf über 60.000 gewachsen (heute 210.000) ist. Bei ihm ist das Psalmwort wahr geworden: „Die mit Tränen säen werden mit Freude ernten, sie gehen hin und weinen, und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.” (Ps.126,5+6).

Heute ist die GKPS eine der kleineren Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Es bestehen Partnerschaften mit den rheinischen Kirchenkreisen Hagen, Mülheim/Ruhr und Solingen und mit dem Dekanat Bad Marienberg. Früher gab es auch mit dem Dekanat Dillenburg — der Heimat von August Theis — partnerschaftliche Beziehungen, die in den letzten Jahren aber leider zum Stillstand gekommen sind.

2003 wurde anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Evangelium in Simalungun” der August-Theis-Fonds gegründet. Es ist ein gemeinsames Projekt der GKPS und der deutschen Partnerkirchenkreise Hagen, Solingen und Bad Marienberg. Mit Mitteln aus dem Fonds wird begabten Schülerinnen und Schülern aus armen Familien der GKPS ermöglicht, eine weiterführende Schule zu besuchen.