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Billy Graham - eine ungewöhnliche Laudatio

Billy Graham - eine ungewöhnliche Laudatio

Billy Graham - eine ungewöhnliche Laudatio

(www.jesus-online.de)
"Wie können Sie es wagen, so einen Mann zu zitieren?", fragte mich jemand im Anschluss an eine Predigt. Ich hatte zuvor schon mehrere "wichtige" Leute aus dem Hemd springen sehen. Wenn ihnen was nicht passt, werden sie pampig. Ich versuchte zunächst zuzuhören, wie ich das gelernt habe. Aber nach sechs Minuten hatte mein Gesprächspartner sein Pulver bereits verschossen. Und ich hatte verstanden, worum es ihm ging: "Wie können Sie es wagen, einen Kerl wie Billy Graham in einem so positiven Zusammenhang zu erwähnen?"

"Erzählen Sie mir von ihren Begegnungen mit Billy Graham" - lud ich ihn ein. Doch wenig überraschend stellte sich heraus: Mein Gesprächspartner hatte den Evangelisten nie selbst predigen hören. Aber er schimpfte wie ein Rohrspatz - einhergehend mit gestaltungskräftig garnierten (Vor-)Urteilen... Und überhaupt: Zeltmission, Höllenstrafen, Erweckungsprediger und Entscheidungsdruck, alles sei mitsamt Billy Graham eine Plage der Menschheit.

Dabei war mein Gesprächspartner ein gebildeter Mensch. Vielleicht ist das die Spitze des Evangeliums, die unserer Tage so häufig schäfchentreu abgeschnitten werden möchte, damit das Evangelium nicht mehr brennt. Damit die Botschaft von Jesus Christus nicht mehr "salzen" kann und zum Einheitsbrei verkommt.

Schließlich hatte ich Gelegenheit, von meiner Begegnung mit Billy Graham zu erzählen. Mit einer "student-leadership"-Gruppe war ich in den 90er Jahren Gast beim jährlichen "National Prayer Breakfast" im Washington-Hilton. 4000 hochrangige Politikerinnen und Politiker aus aller Welt waren gekommen. Auch der damalige amerikanische Präsident hatte geredet: Über die Probleme, die "der mächtigste Mann der Welt" ganz und gar nicht im Griff hat.

Fernab von Presse-Vertretern erklärte der Präsident glaubhaft, warum Christen auf dieser mit Horror und Brutalität prall gefüllten Welt unumstößlich das Salz der Erde sein müssen: ...damit die Verhungernden was Gescheites zwischen die Zähne kriegen. Nicht nur damit sie ein bisschen gesättigt werden, sondern damit die Hungernden genießen, satt und fröhlich werden. Und er fügte hinzu: "Ohne dieses Salz ist die Suppe eine ungenießbare Zumutung, die glatt zum Exitus führt - nicht nur, weil ihr die lebenswichtigen Mineralien fehlen."

Nach seinem Vortrag bat der Präsident Billy Graham ans Rednerpult. Als sich der anhaltende Applaus legte, startete Billy Graham mit einem Zitat aus dem 2. Korintherbrief: "Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, auf dass er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jesus willen." Und dann brachte er einige Beispiele, wo Menschen der Bibel so sehr wirksames "Salz der Erde" gewesen sind und wo und wie Jesus-nachfolgende Menschen das heute in allen möglichen und unmöglichen Lebenssituationen sein können - ja selbst in Todesgefahren.

Bereits nach wenigen Worten war den Anwesenden klar: Hier redet ein Mann Gottes. Einer, der die Bibel und die Zeitung liest. Und einer, der das Leben und die Menschen kennt. Aber vor allem einer, der Gott kennt. Nicht, weil er ihn "gepachtet" hat, sondern weil er ihn erfahren hat und von ihm ergriffen ist.
Das war damals mein persönlicher Eindruck von Billy Graham - den ich auch meinem schimpfenden Gegenüber so weitergegeben habe. Ich habe übrigens in diesen Tagen wieder eine Nachricht von meinem damaligen Gesprächspartner bekommen - mit der farbenfrohen Freude darüber, dass das Ende des öffentlichen Wirkens von Billy Graham so breites und weitgehend positives Echo in den säkularen Medien findet.

Während ich beeindruckt bin ob des Lobes des Ex-Kritkers, bin ich - revuepassierend - immer noch überwältigt von der Begegnung mit Graham. Welche Weisheit mir begegnete, welche Gottesfurcht, welches Charisma - aber vor allem: welche Gelassenheit! Welch eine Vollmacht strahlte dieser Mann aus. Welch ein Vertrauen. Und das resümiert einer, der erst mal obrigkeitskritisch statt obrigkeitsergeben ist.

Wissen Sie, wisst Ihr, dass solch eine Gelassenheit nur Jesus nachfolgende Menschen haben können? Da stürmt und rumort und plustert sich alles mögliche auf, was nur irgendwie das Leben erschüttern kann: Lügen, Intrigen, Mobbing, Neid, Missgunst, Eifersucht... Beizeiten ist die Suppe an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten. Aber ein "Kind Gottes" darf mittendrin gelassen sein - wie im "Auge des Hurrikans".

Jesus-Nachfolger bekommen sogar angesichts der schlimmsten Bestialitäten einen kraftvollen Mut geschenkt. Mit diesem schöpferischsten aller Geschenke soll man Krisen jeglicher Art mustergültig meistern können, heißt es.
Ich kenne einen, der das wie kaum ein anderer praktiziert: Billy Graham.

Carsten Heß