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Calvin-Jubiläums-Jahr 2009

Calvin 09

Johannes Calvin: Lehrer – Reformator – Visionär

12. November 2008

(www.ekd.de)


Der Genfer Reformator Johannes Calvin würde im nächsten Jahr seinen 500. Geburtstag feiern. Der Reformierte Weltbund hat am Reformationstag in der Schweiz bereits das Calvin-Jahr eröffnet, die EKD plant gemeinsam mit dem Reformierten Bund auch in Deutschland verschiedene Aktivitäten zum Calvin-Jahr. In Vorträgen, Ausstellungen, Symposien geht es nicht zuletzt um die Frage, welche Wirkung die Person Johannes Calvins für die evangelische Kirche in Deutschland hat. Wer dieser Frage nachgeht, stößt schnell auf negative Assoziationen, Klischees und Vorurteile: Calvin sei der strenge Diktator Genfs gewesen und habe die Hinrichtung Michael Servets veranlasst – das gehört vielfach zu dem, was unser heutiges Bild von Calvin prägt. Stefan Zweigs Roman aus den dreißiger Jahren, der Parallelen zwischen dem Genf zur Zeit Calvins mit der Nazi-Diktatur in Deutschland zieht, wirkt bis heute nach. Calvins Prädestinationslehre wird dabei – in einer verkürzten Auslegung von Max Webers protestantischer Ethik - als Begründung für den Kapitalismus verantwortlich gemacht. Tyrannei und Kapitalismus erscheinen als Auswirkungen von Calvins Wirken und verdecken dabei das Leben und das Werk des Reformators.

Geboren in Frankreich schloss er sich der verfolgten protestantischen Minderheit an und musste nach Genf fliehen. Hier wirkte der Glaubensflüchtling den größten Teil seines Lebens als Pastor, blieb aber lange Zeit ein Fremder, das Genfer Bürgerrecht wurde ihm erst kurz vor seinem Tode angeboten. Sein einziger Sohn starb als Säugling, seine Frau erholte sich gesundheitlich nicht mehr von den Folgen dieser Geburt. Bei diesen persönlichen Lebensumständen verwundert es, dass Calvin nicht verbittert war, sondern die befreiende Kraft des Evangeliums an viele Zeitgenossen in ganz Europa bezeugte. Dies bezeugt auch seine ausgiebige Korrespondenz. In Briefen wirkte er als Seelsorger, für seine Schüler war er Lehrer und seine „Unterweisung in der christlichen Religion“ ist eine umfassende systematische Theologie. Calvins Genfer Reformation entfaltet ihre Wirkung auch in den Niederlanden, beeinflusst die theologische Ausrichtung der anglikanischen Staatskirche in England, ist theologische Grundlage für die Reformation in Schottland und die Pilgerväter aus Großbritannien bringen calvinistisches Gedankengut in die Neue Welt. Aber auch in Deutschland sind die reformierten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich – nach Calvins Zufluchtland auch als „Hugenotten“ (Eidgenossen) bezeichnet – wirksam und prägen auch die Entwicklung Preußens maßgeblich mit.

Calvins Leben und Wirken lässt sicht daher nicht auf die gängigen Vorurteile reduzieren, sondern hat viele weitreichende Facetten, die der entdeckt, der sich mit Calvins Leben näher beschäftigt. Wer möchte, kann dies in einem Online-Spiel tun, das die EKD zum Calvin-Jahr vorgestellt hat: Das Spiel beginnt mit einer Zeitreise: „Wir schreiben das Jahr 2064. Mit der Zeitmaschine, dem (Pre)Destinator begeben sich die Spielerinnen und Spieler auf die Suche nach Spuren des Johannes Calvin.“ Die Spielidee: Zum 500. Todestag des Reformators im Jahre 2064 ist eine Ausstellung zu Calvin und Calvinismus geplant, die allerdings voller Fehler und Lücken ist. Der Spieler muss diese Ausstellung korrigieren und besucht deshalb in einer Zeitreise verschiedene Orte, die von Calvin und dem Calvinismus geprägt wurden. Dabei sammelt er in einem Tagebuch die notwendigen Informationen ein, die es ihm am Ende ermöglichen, die Ausstellungstafeln zu korrigieren. Die negativen Assoziationen und Fehlurteile zu Calvin lassen sich korrigieren, in einem Online-Spiel und auch in der realen Welt. Dazu soll das Calvin-Jahr beitragen, das EKD als erstes Themenjahr innerhalb der Lutherdekade (bis 2017) ausgerufen hat und das durch eine Vielzahl von Angeboten Calvin und die von ihm ausgehende reformierte Tradition würdigt.