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Das Attentat vom 20.Juli

Das Attentat vom 20.Juli

Carl Friedrich Goerdeler bei seiner Verurteilung

Propst Rink: Widerstandskämpfer vom 20. Juli haben notwendige Entscheidung getroffen
Was bedeutet das Attentat vom 20. Juli 1944 für Christen heute?
(www.ekhn.de)
Am 20. Juli begehen die Deutschen den 60. Jahrestag des Attentates auf Adolf Hitler. Unter Einsatz ihres Lebens wollten Offiziere wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der in Wiesbaden-Biebrich geborene Ludwig Beck, Henning von Tresckow, Fabian von Schlabrendorff und andere 1943/44 die Tyrannei in Deutschland gewaltsam beenden.
Das Land Hessen feiert mit einem umfangreichen Programm dieses Ereignis und auch in einigen evangelischen Kirchengemeinden finden Veranstaltungen statt. Propst Dr. Sigurd Rink, Mitglied des Leitenden Geistlichen Amtes der EKHN, drückte in einem Interview mit der EKHN-Online-Redaktion seine Achtung und Anerkennung für die Widerstandskämpfer aus.
Wie beurteilen Sie als leitender Vertreter der Kirche das Attentat des 20. Juli?
Propst Rink:
Ich schließe ich mich Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) an, der gesagt hat, dass die Beteiligten des Attentates auf Adolf Hitler eine notwendige und zu lobende Entscheidung getroffen haben.
In früheren Zeiten hingegen haben sich Menschen mit der Vorstellung schwer getan, die Vertreter einer weltlichen Obrigkeit zu stürzen. Vor allem nach der Bibelstelle Römer 13 `Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat´ haben Christen Jahrhunderte lang eingeübt, sich einem Herrscher zu fügen.
Spielte der christliche Glaube der Verschwörer für das Attentat eine Rolle?
Propst Rink:
Die Männer des 20. Juli haben den Anschlag sicher vorwiegend aus deutsch-nationaler Gesinnung vollzogen. Aber wie Martin Greschat in der aktuellen Juli-Ausgabe der evangelischen Zeitschrift `Zeitzeichen´ schreibt, bildete der christliche Glaube für viele Verschwörer den letzen tragenden Grund. Je mehr sie sich mit den Folgen eines Attentates auseinander setzten, sich also mit der Möglichkeit des eigenen Todes konfrontiert sahen, desto mehr stellten sie fest, dass ihre christliche Glaubensüberzeugung die Triebfeder ihres Handelns ist.
In der Bergpredigt fordert Jesus dazu auf, seine Feinde zu lieben. Welche Bedeutung hat die biblische Botschaft bezüglich des gewaltsamen Attentates?
Propst Rink:
Genau das macht die Spannung des Ereignisses aus. Die biblischen Geschichten zeigen, dass das Leben und die Botschaft Jesu konsequent gewaltfrei sind. Er trat immer wieder dafür ein, Konflikte gewaltlos zu lösen. Meiner Ansicht nach kann es in einem extremen Konfliktfall dennoch notwendig sein - um mit Bonhoeffer zu sprechen - "dem Rad in die Speichen zu fallen". Unter Abwägung der Güter kann es erforderlich sein, einen Tyrannen zu stürzen. Es gibt sogar Situationen, wo es nicht nur erlaubt, sondern ein Gebot ist, Gewalt anzuwenden, um der Tyrannei Einhalt zu gebieten. Wenn man sich vorstellt, dass der 20. Juli erfolgreich gewesen wäre und es den Widerstandskämpfern gelungen wäre auch die Macht zu übernehmen, hätten sie viel Leid verhindern können. Dazu muss man sich nur das Ergebnis im letzten Kriegsjahr 1944/45 ansehen. Rund sechs Millionen deutsche und alliierte Soldaten sowie Zivilopfer mußten in dieser Zeit ihr Leben lassen. Die systematische Vernichtung der Juden erreichte mit Hunderttausenden Ermordeten ihren Höhepunkt.
Die Meinungen zu diesem Thema gehen aber auch heute weit auseinander.
Wo setzten Sie dann die Grenze für die Entscheidung gewaltsam einzugreifen?
Propst Rink:
Es gibt keine eindeutige Grenze. Jeder Fall muss genau untersucht werden. Dabei stehe ich vor der Entscheidung, ob ich auf der Grundlage der Gesinnungsethik oder der Verantwortungsethik handele. Entscheide ich mich für die Gesinnungsethik und habe mich entschlossen gewaltfrei zu bleiben, so wende ich niemals Gewalt an, egal welches Leid ein Diktator anderen Menschen zufügt. Lege ich meiner Entscheidung die Verantwortungsethik zugrunde, so wäge ich zwischen verschiedenen Möglichkeiten ab und überlege, was angemessen erscheint.
Die Fragen stellte Rita Deschner


TV-Tipp: Gedenkgottesdienst für die Widerstandskämpfer des 20. Juli
(www.ekd.de)

Live-Übertragung aus dem Berliner Dom auf Phoenix

Zum Gedenken an die Frauen und Männer, die Widerstand gegen die
Hitlerdiktatur geleistet haben, insbesondere die Widerstandskämpfer des 20.
Juli, findet am 18. Juli um 10 Uhr im Berliner Dom ein Gottesdienst statt.
Die Predigt hält der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Phoenix, überträgt den
Gottesdienst live von 10 bis 11 Uhr.