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Der Hallelujah-General

Heilsarmee

William Booth (1829-1912)

Der Hallelujah-General

(www.jesus-online.de)


"Suppe, Seife, Seelenheil“ - Das Motto der Heilsarmee kennt beinahe jeder. Gegründet hat sie einst ein Methodistenpastor aus England: William Booth. Am 10. April 1829 - vor 175 Jahren also - wurde er geboren. Heiko Brattig erinnert an ihn.

Sonntagabend auf der Reeperbahn in Hamburg. Auf Deutschlands Sündenmeile Nr. 1 herrscht Hochbetrieb. An einer Straßenecke erklingt Musik. Mehrere uniformierte Frauen und Männer singen zu Gitarre und Trompete fromme Lieder. Sie handeln von Heil und Errettung. Anschließend gibt’s eine Kurzpredigt über Jesus. Viele Leute gehen vorbei. Manche bleiben auch stehen. - Die Heilsarmee im Einsatz.

Rückblende: An einem Sommerabend im Jahr 1865 klettert der junge Methodisten-Pastor William Booth in einem Londoner Armenviertel auf ein Podest und beginnt zu predigen. Die Stimmung ist geladen: Ausgerechnet hier, wo es mehr Armut und Gewalt gibt, als irgend sonst in England, will dieser Mann von Sünde und Erlösung reden. Bald fliegen Dreckklumpen, faules Gemüse, eine tote Katze und sogar glühende Kohlen.

Booth, der am 10. April 1829 im englischen Nottingham zur Welt kam und inzwischen in London tätig ist, lässt sich davon nicht beeindrucken. Er hat ein großes Herz für die Armen und Obdachlosen. Und da die sozial an den Rand gedrängten Menschen nicht in die Kirche kommen, geht er zu ihnen hin.

Bald haben seine Straßenpredigten Erfolg. Die Menschen hören ihm zu. Und viele, die gekommen sind, um zu spotten, bleiben am Ende der Predigt zum gemeinsamen Gebet.

Doch wohin nun mit den Frischbekehrten? Seine Kirchengemeinde will mit den Leuten von der Straße nichts zu tun haben. Und so gründet Booth zusammen mit seiner Frau Catherine die "Ostlondoner Christliche Erweckungsgesellschaft“. Die Gottesdienste werden "Versammlungen“ genannt und finden zunächst unter freiem Himmel statt, meist in der Nähe der verrufenen Kneipen und Etablissements. Dazu gibt’s ‘was zu Essen, Waschmöglichkeiten und auch Kleidung. Getreu dem Motto "Suppe, Seife, Seelenheil“.

Immer auf der Suche nach neuen Ideen kündigt Booth irgendwann auf einem Plakat die "Hallelujah-Armee“ an, mit ihm als General. Als Fan straffer Organisationen stylt er die Bewegung militärisch durch. Die Mitglieder werden Soldaten, hauptberufliche Mitarbeiter Offiziere, die Gemeindestationen Korps genannt. Und alles zusammen ab 1878 auch "Heilsarmee“. Klar, dass auch Uniformen, Rangabzeichen und Fahnen dazugehören.

Bemerkenswert dabei: Von Anfang an gilt in der Heilsarmee eine völlige Gleichberechtigung von Männern und Frauen in allen Ämtern und Führungspositionen. Wohl ein Verdienst von William Booth’s Frau Catherine, die einen großen Anteil an der Arbeit hat.

Die Bewegung wächst rapide! Eine Armee im Kampf gegen das Elend - dafür lassen sich viele begeistern. Den Kneipenwirten gefällt das Treiben freilich nicht. Sie müssen kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen. Und so werden die Heilssoldaten nicht selten tätlich angegriffen. Auf die Versammlungen fliegen tote Ratten oder Steine. (Manchmal werfen die Gegner auch mit brennendem Schwefel. - Drei Heilsarmisten werden getötet.)

Ende der 80er des 19. Jahrhunderts aber lassen die Tätlichkeiten nach. Der Erfolg der Heilsarmee ist nicht mehr aufzuhalten. 1888 öffnet das erste Obdachlosenheim. Es werden Suppenküchen eingerichtet, sowie Hilfszentren für Prostituierte und Heime für Alkoholiker und ehemalige Knackies. Sogar eine Bank wird gegründet, die billige Kredite für Handwerker vergibt.

Auch über die Grenzen hinweg verbreitet sich die Heilsarmee. Und als William Booth am 20. August 1912 in London stirbt - oder wie es im Jargon der Heilsarmee heißt "in die Herrlichkeit befördert wird“ - hat sich die Bewegung bereits in 58 Ländern etabliert.

Heute ist die Heilsarmee in über 100 Ländern aktiv. Zum 175. Geburtstag des Hallelujah-Generals eine stolze Bilanz.

Heiko Brattig

Erschienen am: 01.04.2004