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Johanna von Orléans

Am 6. Januar 1412 wurde in dem lothringischen Dorf Domrémy ein Mädchen mit Namen Johanna geboren. Über ihre Familie ist wenig bekannt. Wahrscheinlich lebte Johanna in einer wohlhabenden Bauernfamilie und hütete als Kind die Schafe.
Schon als Teenager erschien ihr ein Engel. Dieser ermunterte sie im Jahre 1424 sich für die Rettung des Vaterlandes vor den ausländischen Feinden stark zu machen. Um dies in Angriff zu nehmen verliess Jeanne im Mai 1428 ihre Heimat – und ging dadurch später in die Weltgeschichte ein…

Wenn Frauen handgreiflich werden

Eine erste Unterstützung fand sie in Robert de Baudricourt. Er war Burghauptmann in der militärisch wichtigen Stadt Vaucouleurs. Zur Begleitung stellte er der jungen Bauersfrau einen Trupp Soldaten zur Seite. Zusammen erreichten sie am 4. März 1429 Chinon, wo sich Frankreichs ungekrönter König Karl VII. aufhielt. Dort musste Jeanne über einen Monat lang viele Fragen von Kirchenoberen, Gelehrten und Theologen beantworten. Dabei ging es vor allem um die Frage ihrer Identität und warum gerade sie die Rettung Frankreichs sei. Unerschütterlich stellte sich Jeanne als Gottes Abgesandte vor. Als alle Fragen geklärt waren erhielt sie am 21. April 1429 ihre eigens für sie geschmiedete Rüstung, ein Schwert sowie das Banner mit den königlichen Lilien und machte sich auf den Weg nach Orléans.
Dort sagte sie zum französischen Oberbefehlshaber: „Ich bringe Euch wirksamere Hilfe als Euch von irgendeinem Soldaten und jedweder Stadt geboten worden ist: den Beistand des himmlischen Königs." Dadurch erfüllte sie die Männer mit neuem Mut. Schon am 8. Mai zogen die englischen Belagerer ab, die zuvor sechs Monate die Stadt massiv bedrängt hatten.
Im Krieg gegen englische Eroberer spielte sie in den nächsten Monaten eine entscheidende Rolle. Ihr größter Sieg war die Schlacht bei Patay über den englischen Kronfeldherren John Talbot. Dabei kämpfte Jeanne wie ein alter Soldat mitten im Getümmel.

Gefangen und verbrannt

Allerdings wendete sich Ende 1429 für sie alles. Da sie nicht aufhörte, König und Hofstaat zum weiteren Kampf zu ermahnen wurde sie unbequem. Und so kam es, das trotz dem der König ihr Verstärkung für die Schlacht zugesagt hatte, diese nicht eintraf. Jeanne entschloss sich trotzdem anzugreifen und wurde in der Schlacht von den Burgundern gefangengenommen. Diese lieferten „La Pucelle“ (die Jungfrau) an die Engländer aus. Im Januar 1431 wurde Jeanne in der englisch besetzten Stadt Rouen vor Gericht gestellt. Es begann ein fast fünf Monate dauernder Hexenprozess gegen sie. Schlauerweise überließen die Engländer das Verfahren gegen ihre Erzfeindin einigen französischen Handlangern. Sie verurteilten das kaum 20-jährige Mädchen als Hexe zum Tode. Ein Hauptgrund dafür war die Tatsache, dass sie Männerkleidung getragen hatte. Jeanne d’Arc wurde am 30. Mai 1431 auf dem Alten Marktplatz von Rouen lebendig verbrannt.

Nach ihrem Tod wurde versucht das Unrecht an Johanna wieder gut zu machen. Das Urteil gegen sie wurde aufgehoben. Als im 19. Jahrhundert ein wahrer französischer Nationalkult um die Jungfrau ausbrach, wurde sie durch den Papst selig gesprochen und später sogar zur Heiligen erhoben.

Überzeugt

Was mich an der Jungfrau von Orleans fasziniert ist, dass sie einen höheren Zweck in ihrem Leben sah und dieses Ziel auch konsequent verfolgte. Sogar bis in den Tod. Sie hat es geschafft als Frau in eine Männerdomäne einzudringen und sich dort zu behaupten. Ich finde, dazu gehört schon eine ziemliche Courage! Aber sich einem himmlischen Auftrag, ohne Rücksicht auf eigene Befindlichkeiten verbunden zu fühlen - das macht das Geheimnis dieser jungen Frau aus.

Und es gab und es gibt sie immer wieder, diese tapferen und mutigen Frauen ihrer Zeit. Da gibt es die (biblischen) Ruths, Deboras, Esthers, Marias und viele andere, die für ihre Überzeugung und ihren Glauben vieles opfern und sich total für Familie oder Vaterland einsetzten. Da sind die tapferen Frauen in den letzten Weltkriegen, die ihren Kindern eine tapfere Lebenseinstellung vermittelten, Trümmerfrauen wurden und das Leben nach all den Zerstörungen wieder in Gang brachten. Da sind aber auch heute noch jede Menge oft unbekannte, aber genauso tapfere Frauen und Mütter, die für eine Lebensüberzeugung stehen, sich und ihre Angehörigen nicht aufgeben und oft Unmögliches möglich machen. Und dies nicht zuletzt durch einen starken Glauben, der ihnen den Beistand und die Hilfe Gottes versichert…
Ich trage im Alltag keinen Hut, aber wenn - dann würde ich ihn vor solchen Frauen ziehen…


Andreas Meißner

Quelle: Jesus-Online.de