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"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

(www.jesus-online.de)
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." Dieser Satz steht nicht in der Bibel, wenngleich er des öfteren als Trauspruch gebraucht wird. Nein, er stammt aus einem der schönsten Märchen des vergangenen Jahrhunderts, aus "Der kleine Prinz". Dessen Erfinder, Antoine de Saint-Exupéry, wurde am 29. Juni vor 105 Jahren geboren.

Er war schon zu Lebzeiten eine Legende: Der Flieger und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Dabei sah sein Start ins Leben wenig Erfolg versprechend aus: Saint-Exupéry wurde in Lyon geboren und wuchs in einer katholischen Familie auf. Seine Eltern waren verarmte Adlige, früh starben der Vater und ein Bruder. Er scheiterte an der Aufnahmeprüfung zur Marineakademie und auch sein Architektur-Studium wollte nicht gelingen. Im Alter von 21 Jahren ging er als Flieger zum Militär, gab die Fliegerei dann seiner Verlobten zuliebe wieder auf und wurde Kaufmann.

1926 beschloss er, wieder zu fliegen, übernahm eine Postfluglinie zwischen Frankreich und Nordafrika - und schrieb seine erste Novelle. Das Fliegen zu diesen Zeiten war nicht ungefährlich. Auf einem Langstreckenflug stürzte er über der ägyptischen Wüste ab – er und sein Mechaniker überlebten nur, weil eine Karawane sie rettete. Trotz weiterer Flugunfälle gab er die Fliegerei nicht auf - und schrieb weiter über das Fliegen: 1939 erschien "Wind, Sand und Sterne", im Original "Terres des Hommes". Das Buch wurde ein Bestseller und Saint-Exupéry erhielt dafür den großen Romanpreis der Académie Francaise.

Für die Zeit der Besetzung Frankreichs wanderte er in die USA aus. Dort entstand 1943 schließlich "Der kleine Prinz". Und gerade in diesem Buch werden seine christlichen Wurzeln deutlich. Sätze wie: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar" erinnern an die Bibel.

Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte vom kleinen Prinzen so viele Herzen eroberte. Dennoch ist "Der Kleine Prinz" kein christliches Buch und auch Saint-Exupéry hat sich nicht als christlicher Autor verstanden. Für ihn gab es eine Art spirituelle Anrufung Gottes. Er wagte sich - so beschrieb er es in seinem Buch "Flug nach Arras" - bis in die unmittelbare Nähe Gottes, musste aber erkennen, dass sich dieser Gott nicht berühren ließ. Mit diesem Gott könne man nicht handeln, schrieb Saint-Exupéry, und Gott gehorche auch nicht dem Gebet des Menschen. Seine Definition von Beten: "Ich ahnte, dass das Erlernen des Gebets im Erlernen des Schweigens besteht und dass dort erst die Liebe beginnt, wo kein Geschenk mehr zu erwarten ist. Die Liebe ist vor allem Übung des Gebets und das Gebet Übung des Schweigens."

Deutlicher als andere hat Saint-Exupéry gesehen, wie sich die Erwachsenen-Wirklichkeit zur Unmenschlichkeit entwickelte. Das hat er in "Der kleinen Prinz" thematisiert. Für ihn verkörpert seine Figur des kleinen Prinzen aber nur den Traum eines Lebens, wie es eigentlich gelebt werden sollte. Gleichzeitig sieht und begreift er, dass dieses Leben, so wie er es träumt, schon zerstört ist, gar nicht mehr geschehen kann. Es ist nur noch Erinnerung, ein schöner Traum. Es gibt also keine Hoffnung, sondern nur eine wehmütige Erinnerung an die verlorene Hoffnung.

So blieb Saint-Exupéry Zeit seines Lebens ein suchender, nach dem Sinn des Lebens fragender Schriftsteller und Pilot, der am 31. Juli 1944 von seinem letzten Flug nicht mehr heimkehrte.

Oliver Hoesch