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Mutter der indischen Waisenkinder

Mutter der indischen Waisenkinder

Mutter der indischen Waisenkinder

(www.jesus-online.de)
Sie war eine bescheidene und doch temperamentvolle Frau. Und sie hat gewagt, was viele ihrer männlichen Zeitgenossen im 19. Jahrhundert als ein zu großes Risiko abgelehnt hätten: Amy Carmichael verließ Europa und wanderte nach Asien aus. Am 18. Januar war ihr 55. Todestag. Kai-Uwe Woytschak erinnert an sie.

Amy Carmichael kam 1867 als erstes von sieben Kindern zur Welt - in einem wohlhabenden Elternhaus in Nordirland. Die Kornmühlen des Vaters brachten viel Geld ein. Doch als Amys Vater starb, musste sie das Anwesen verkaufen. Als achtzehnjährige junge Frau konnte sie die Verantwortung dafür noch nicht allein übernehmen. In ihrer neuen Heimat, in Belfast, lernte Amy einige Christen kennen, die ihren Glauben engagiert und fröhlich lebten. Im wahrsten Sinne des Wortes ein ansteckender Glaube, dem sich Amy nicht entziehen konnte. Die Aufforderung Jesu, "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker", diese Aufforderung war für sie ein regelrechter Marschbefehl.

Gerade mal 24 Jahre alt, beschließt sie, nach Japan zu reisen. Aber die Sprache und das Klima machen ihr zu schaffen. Deshalb folgt eine Phase der Umorientierung, bis sie im November 1895 ihren Fuß auf indischen Boden setzt. Den Menschen von Jesus Christus erzählen, das ist ihr Wunsch. Aber wo anfangen? Welche Aufgabe soll sie übernehmen, die geeignet ist, den Menschen das Evangelium nahe zu bringen? Eine typisch weiße Missionarin wollte Amy nie werden. So wie Paulus den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche wurde, so wollte sie den Inderinnen eine Inderin werden. Sie bemüht sich so zu leben wie die Bevölkerung. Doch bei ihren Besuchen in den Dörfern lernt sie die dunklen Seiten der indischen Kultur kennen. Menschen werden, je nach sozialer Stellung, in verschiedene Kasten eingeteilt. Eine Vielzahl von Göttern und Dämonen bestimmen das religiöse Leben.

Eines Tages sitzt bei Amy Carmichael ein elfjähriges Mädchen vor der Tür. Die Eltern sind gestorben; der Onkel möchte das Mädchen als Dirne an den Tempel verkaufen. Soll Amy das Mädchen nach Hause zurückschicken? Niemals! Wie eine Mutter stellt sie sich vor das Mädchen. Die Elfjährige vor ihrem Onkel zu verstecken oder in ein anderes Dorf zu bringen, kommt für Amy überhaupt nicht in Frage. Als Amy ein weiteres Mädchen bei sich aufnimmt, ist ihr klar, welche Aufgabe ihr Gott zugedacht hat. Um kranke und allein gelassene Kinder will sie sich kümmern. Besonders um Mädchen, die von ihren Familien als Tempeldirnen verkauft werden sollen. Zwölf Jahre später, man schreibt das Jahr 1913, leben bereits 130 Kinder unter der Obhut von Amy Carmichael. Nach weiteren zehn Jahren gibt es über dreißig Kinderhäuser in Dohnavur. Inzwischen sorgt eine Schwersternschaft dafür, dass die Kinder ein gutes Zuhause und eine ordentliche Ausbildung erhalten.

1931 hat Amy einen Unfall: Sie rutscht aus, fällt hin und bricht sich das Bein. Ein komplizierter Bruch, aber man versichert ihr, dass sie nach einiger Zeit wieder völlig gesund werden wird. Doch andere Krankheiten kommen dazu. Die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens ist Amy Carmichael eine gebrechliche Frau, die kaum noch ihr Zimmer verlässt. Aber sie schreibt unzählige Briefe und insgesamt fünfundreißig Bücher, die zum Teil in über fünfzehn Sprachen übersetzt werden.

Vor 55 Jahren, am 18. Januar 1951 stirbt Amy Carmichael. Doch die Arbeit unter verwahrlosten und verlassenen Kindern geht weiter. In Indien, aber auch in England, Irland, Kanada, Australien und Neuseeland sorgen Mitglieder der Dohnavur-Gemeinschaft dafür, dass diese Kinder ein neues Zuhause bekommen.



Kai-Uwe Woytschak